11. Oktober 2016

Probleme sind "Hirn-Fürze"


"O.k. verstanden. Und welchen Teil Ihrer Geschichte erleben Sie gerade als Problem?" möchte ich von meiner Kundin wissen. Und damit bringe ich die wesentlichen Merkmale eines "Problems" auf den Punkt:

  1. Probleme brauchen mindestens eine Person, die sie als Problem erleben
  2. Probleme sind vorübergehende Zustände
  3. Es gibt eine Ist-Soll-Differenz
  4. Die Veränderbarkeit scheint realistisch
"Ich traue mir nicht zu, dass ich den neuen Job wirklich gut machen werde" erhalte ich als Antwort.

Problem-Erleben kommt entweder leise und schleichend oder plötzlich und gewaltig. Wie ein Furz eben. Und man weiß nie, welche Art die größere Wirkung hat. Oft verpesten sie die ganze Luft und führen zu "atmosphärischen Störungen". Hirn-Fürze schaffen Problem-Systeme, die eine erstaunliche Stabilität erreichen können. Problem-Geschichten werden immer und immer wieder erzählt, so dass durch die Problem-Trance eine "eigene Wirklichkeit" entsteht. Außerdem sammeln Hirn-Furzer Beweise, die das Problem objektivieren sollen. Schließlich glauben nicht nur sie selbst, dass sie ein Problem "haben", sondern auch ihr Umfeld.


"Dann zeigen Sie mir mal Ihr Problem, oder malen Sie es auf, wenn Sie es gerade nicht dabei haben." Die Klientin scheint überrascht und überfordert. "Das kann ich nicht, es ist einfach schlimm für mich." Problem-Erleben ist Gefühl-Erleben. Die Klienten erleben sich als machtlos, hilflos, ohnmächtig, meistens auch ängstlich. Daher macht es überhaupt keinen Sinn, Hirn-Furze anzuzweifeln. Sie sind ebenso "real" wie es unsere Gefühle sind. Nur eben nicht als sichtbares Phänomen. 

"Was halten Sie davon, wenn Sie Ihrem "Problem" für die Dauer der heutigen Zusammenarbeit eine Pause gönnen und wir uns stattdessen anschauen, welche Gedanken Ihnen zum neuen Job so durch den Kopf gehen?" Die Klientin kann dem zustimmen. Ich öffne das Fenster, damit der Hirn-Furz seine Runden drehen kann.