12. Juni 2017

Persönlichkeit
"EINGE-BILD-ET": Ein Interview

Kannst du Veränderungen an der Persönlichkeit beobachten, wenn Menschen vor die Film- oder Fotolinse treten?
Aber hundertprozentig kann ich Veränderungen feststellen. Bei den meisten Menschen ist es so, dass sie sich zurück ziehen und schüchtern werden, sobald ich die Kamera hoch nehme. In ein großes schwarzes Loch (das Objektiv) zu schauen und kein richtiges Gesicht mehr vor sich zu haben ist eben ungewohnt. Mit vielen Kollegen sind wir uns einig, das man die ersten zehn Minuten in die Tonne kloppen kann. Diese Zeit nutz man einfach um sein Gegenüber an die Situation zu gewöhnen. Wichtige Szenen und Posen sollte man sich also unbedingt für später aufheben. Danach tauen die Menschen auf. Lachen wird bei mir ja immer ganz groß geschrieben, und so kommen wir danach in eine entspannte Phase. Da ich nicht nur starre Posen fotografiere sondern oft auch aus der Situation und Bewegung heraus, wird das "schwarze Loch" nach einer Weile auch gar nicht mehr als so bedrohlich wahrgenommen. Es ist wie bei Kindern: Immer wenn es am Schönsten ist, hören wir auf mit dem Spielen. Am Ende kann man beobachten, wie einige sogar nach jedem Klick des Auslösers selbst ihre Pose verändern, sie den Kopf drehen und eigene Ideen entwickeln.

Meine Klienten bringen oft eigene Bilder mit ins Coaching. Gibt es einen Aspekt, in dem Fotos dem Video überlegen sind?

Natürlich. Stell dir mal vor, du müsstest dir in deinen Coachings erst einen langen Film anschauen um dir ein Bild deines Klienten zu machen. Der erste Eindruck dauert, wie wir ja alles Wissen, nur einen Bruchteil von Sekunden. Und dafür ist ein Foto perfekt. Wenn man sich dessen bewusst ist weiß man aber auch, dass es ein gutes Foto sein muss um Eindruck beim Betrachter zu machen. Wenn mein Gegenüber dann bemerkt "Hui, das ist ja ein spannender Typ", kann ein Video wunderbar noch mehr die Vielfalt durch Gestik, Mimik, Sprache und was noch alles dazu gehört, darstellen.

Worauf achtest du besonders, wenn du die Persönlichkeit deiner Kunden im Bild unterstreichen möchtest?   
Dass wir keine 08/15 Posen wählen, die jeder kann. Businessbilder eines Mannes, im 08/15 Anzug, vor einem grauen Hintergrund zeigt nicht wirklich die Persönlichkeit eines Menschen. Ein Mann mit einem Plüsch-Schwein, auf einer Schaukel aus der Froschperspektive fotografiert, das hat vielleicht noch keiner gesehen. Okay, was es über die Persönlichkeit des Schweinebesitzers aussagt, möchte ich nun jedem deiner Leser und "zukünftigen" Klienten in Gedanken selbst überlassen. *lach*



Wäre Manuela Jäger ein Buch, dann läge sie in jeder Buchhandlung ganz oben auf dem Stapel: „Freche Frauen“. Denn das ist Manuela: 100% Frau und 100% frech. Mit diesen 200 Prozent wäre sie wie im richtigen Leben kein dünnes Blättchen, sondern ein starker Bestseller. Eins ist sicher: Der Leser hätte von der ersten bis zur letzten Seite Spaß.

Die frühen Kapitel ihres Lebens verbringt Manuela im Osten der Republik. Aus dieser Zeit stammt möglicherweise der Pragmatismus, den Frau Jäger gelegentlich an den Tag legt und der für ihren ersten Beruf, die Arbeit mit schwerst und mehrfach behinderten Menschen, überlebenswichtig ist.

Aber auch Gefühle kommen in diesem Bestseller nicht zu kurz. Frau Jäger wird Mutter und das nicht nur einmal. Was dieser hormonelle Overflow mit den Emotionen einer Frau anrichtet, weiß jeder, der es selbst erlebt hat. Immer dabei im Chaos aus Windeln, Babybrei und schlaflosen Nächten ist die Kamera. Und am Ende des Tunnels ist sonnenklar: Frau Jäger macht ihr Hobby zum Beruf. Sie wird Fotografin.

2004 eröffnet sie ihr eigenes Fotostudio. In zahlreichen Workshops erlernt Manuela alles, was technisch perfekte Fotos ausmacht. Den Rest kann sie schon: Die Welt durch den Sucher einer Kamera sehen, ein gutes Bild erkennen und umsetzen, sicher mit Menschen umgehen, schüchterne Fotomodelle zum Lachen bringen, sie gut aussehen lassen auf den Bildern, die sie anschließend in den Händen halten.