08. Juli 2017

Diese politische Bühne stand im falschen Theater

Die narzisstische Inszenierung zum G20-Gipfel. 

Viel Theater um wenig Stoff. Oder habe ich bloß das Stück nicht verstanden? Hamburg war für drei Tage die „Bühne der Mächtigen“. Besonderes deutlich wurde das in der eigens für den prominenten Besuch reservierten Elbphilharmonie. Der Kulturbeauftragte der evangelischen Kirche in Hamburg, Johann Hinrich Claussen meint dazu: „Es reicht nicht, den kritischen Bürgern ein Programm auf Kampnagel anzubieten und den Mächtigen die Elbphilharmonie zu reservieren: Beides muss aufeinander bezogen sein." 

Stark narzisstisch strukturierte Persönlichkeiten sind ständig auf der Suche nach Bühnen. Sie sind abhängig von der Aufmerksamkeit, die andere ihnen schenken sollen. Zur Bühne gehört ein Publikum, das die Kunst der Darsteller zu schätzen weiß. 

Die Rechnung ging in Hamburg nicht auf. Die im Vorfeld bereits geringen Erwartungen an die Veranstaltung gingen im Taumel der Proteste gänzlich unter. Die Kanzlerin ist nach Kräften bemüht, auch noch den minimalsten Konsens als politischen Fortschritt zu deuten. Kein Vor, kein Zurück wird als Erfolg verkauft. Aber das Publikum hatte schon gebuht als das Stück noch in vollem Gange war. Da blieb den Verantwortlich nichts anderes übrig als „Vorhang! Vorhang!“ zu rufen. 

Wenn man Narzissten die erwartete Anerkennung nicht liefert werden sie zu unangenehmen Darstellern. Abwertungen und Rückzug in „die eigene, richtige Welt“ sind die Konsequenz. Donald Trump zum Beispiel lässt sonst keine Möglichkeit aus sich noch kräftig in Szene zu setzen. In Hamburg hat er sogar auf seine Presseerklärung verzichtet um schneller das Stück zu verlassen. Neunzehn gegen Trump – Isolation ist psychisches TNT für Narzissten. Diese politische Bühne stand im falschen Theater. 

Ein 130 Millionen teures Familienfoto kann über die vielen ungelösten Probleme nicht hinwegtäuschen. Immerhin zeigt es einmal mehr die Unverhältnismäßigkeit von politischer Gestaltung und Selbstinszenierung. Besonders schwierig daran: Narzissten sehen sich nicht als Teil des Problems, schuld sind immer die Anderen.