28. März 2018

Ordentlich zusammengefaltet

Eine Klientin kommt zu mir ins Coaching. Sie ist in ihrem aktuellen Job unzufrieden und hat das Gefühl, es niemandem Recht machen zu können. Am Anfang der Stunde lasse ich sie ihren Namen auf ein DIN A4 Blatt schreiben. 

Dann erzählt sie mir ihre Problemgeschichte. 

Jedesmal, wenn ich einen selbst verletzenden Glaubenssatz bei ihr entdeckt, lasse ich sie das Blatt ein weiteres Mal falten. Dazu gehören solche Aussagen wie:

"Ich habe mir damit schon immer schwer getan"
"Das war typisch für mich"
"Da stelle ich mich auch oft dumm an"
"Ich kann das auch nicht besser"
"Selber schuld"
"Das wird sowieso schief gehen"
"Eigentlich ist es ja auch  mein Fehler"

Es gibt noch mehr solcher Äußerungen, aber ich ende hier mit sieben. Mehr als sechs mal bekommen Sie ein normales DIN A4 Kopierpapier nicht gefaltet. Beim siebten Falten werden sie scheitern. Wie meine Klienten.

Sie hat sich ein ums andere Mal derart selber zusammengefaltet, dass sie nun einen extremen Druck aufgebaut hatte. Sich selbst auf dem Papier macht sie ganz klein. Außerdem ist gar kein Platz mehr darauf , um irgendetwas Hilfreiches festzuhalten. 

Ihre Aufgabe besteht darin, sich erst mal wieder zu entfalten und wie ein weißes, unbeschriebenes Blatt neue Eindrücke zu sammeln. 

Mit diesem Gedanken entlasse ich die Klientin.