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03. Oktober 2020

Das Marmeladenparadox

Wir leben in einer Zeit unendlich vieler Möglichkeiten. Täglich haben wir hunderte von Entscheidungen zu treffen, die meisten davon unbewusst. Unser Autopilot navigiert uns sicher durch den Tag. Er sorgt dafür, dass wir energieschonend unseren Routinegeschäften nachgehen können und den Kopf frei haben für das "Wesentliche".


                  "Wer die Qual hat, hat die...." leckerste Marmelade? 



Nun führen allerdings zwei Faktoren dazu, dass wir trotz vieler Optionen trotzdem konservativ entscheiden:

Wenn wir bereits über den Tag viele Entscheidungen getroffen haben, tendieren wir in späterer Stunde weniger risikoreich zu entscheiden. Wir bevorzugen dann eher "die gute Tradition" und wählen das Vertraute. Grund dafür ist die Entscheidungsmüdigkeit. Entscheiden kostet Energie, denn wir müssen einen inneren Konflikt lösen. Gäbe es keine Ambivalenz zwischen verschiedenen Optionen, hätten wir auch nichts zu entscheiden. Fordern viele Optionen über den Tag hohe Entscheidungskraft von uns, werden wir immer "schlapper".  Gewohntes braucht wenig Überwindung, also greifen wir zu alten Lösungen. Denken Sie an die Entscheidungsmüdigkeit, wenn Sie zukünftig eine andere Antwort von Ihrem Chef hören wollen als die alt Vertraute. Fragen Sie lieber früher!

Dann gibt es da noch das Marmeladeparadox: Sie stehen im Supermarkt vor dem Marmeladen- oder Joghurtregal. Gefühlte 80 verschiedene Sorten konkurrieren um Ihre Entscheidung. Ihre Augen wandern über die verschiedenen Gläsergrößen, die Etiketten, die Inhaltsstoffe und Farben. Am Ende entscheiden Sie sich für..... die Marmelade, die Sie auch beim letzten Einkauf gekauft haben. Mehr Angebot erhöht die differenzierte Nachrage eben nicht. Im Gegenteil. Mehr Optionen sorgen dafür, dass wir die Vor- und Nachteile nicht mehr zuverlässig einschätzen können. Außerdem: Bei jeder Wahl schließen wir alles andere aus, das schmerzt. Wäre die andere Marke vielleicht doch besser gewesen? Um diese Spannung zu vermeiden greifen wir zum Bekannten. Bei der vertrauten Marke wissen wir immerhin, woran wir sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie also mal auf ein anderes Pferd satteln (oder zur neuen Marmelade greifen) ist im kleinen Tante-Emma-Laden höher als im Maxi-Store.

Übrigens: Die Qual der Wahl führt auch in vielen Veränderungsprozessen dazu, dass es nicht wirklich los- oder weitergeht. Manchmal ist es sogar ganz befreiend zu erkennen, keine Wahl zu haben. Dann werden nämlich alle Kräfte gebündelt, um mit den vorhandenen Fakten ein Arrangement zu finden. Wer keine Wahl hat, muss sich nicht zwangsläufig quälen.

Wo dürfen Sie heute noch wählen? Und wo sind Sie froh, wenn Ihnen die Wahl abgenommen wird?