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07. Juni 2024

Bäumchen, Bäumchen wechsel dich!

Mein Baum ist nich dein Baum.

Bäume können aus eigener Kraft ihren Standort zwar nicht wechseln, aber Bäume sind trotzdem unterwegs. Wie das? Mir kam dieser Gedanke, als ich Seminar-Teilnehmer darum bat, einen Baum auf ein Blatt Papier zu malen. In Windeseile hatte ich zwölf Bäume im Raum. Oder besser gesagt: Bilder von Bäumen. Denn es waren eben KEINE Bäume. Wenn wir Bäume sehen wollen, müssen wir in den Wald gehen, in den Park oder den Garten. Vielleicht reicht auch ein Blick aus dem Fenster. Aber auf dem Papier sehen wir keine Bäume, sondern nur eine Abbildung dessen, was wir für "typisch Baum" halten: Die Landkarte ist nicht die Landschaft. Und wir sollten beides auch nicht miteinander verwechseln.

Obwohl alle im Team den gleichen Auftrag erhielten, fielen die Ergebnisse doch extrem unterschiedlich aus. Von briefmarkengroßen Abbildungen bis zur maximalen Papiergröße, von wenigen Strichen bis zur vollen Baumkrone war alles dabei. Die Teilnehmer staunten nicht schlecht über die unterschiedlichen Ergebnisse. Und sie freuten sich, gab es doch zu jedem Bild einen (oder gleich mehrere) Kommentare.



Nun ist ein Bauch ja noch greifbar, ein Objekt, das wir mit all unseren Sinnen erfassen können: Wir sehen einen Baum, können ihr hören, fühlen, riechen, vielleicht sogar schmecken (ich denke da in die Zimt-Rinde oder die Früchte, die ein Baum trägt). Nun stellen Sie sich aber einmal vor, ich hätte die Seminarteilnehmer darum gebeten, ein Bild von Liebe, Verantwortung oder Kommunikation zu malen. Wie viel unterschiedlicher wären wohl die Ergebnisse ausgefallen!

Bleiben wir aber bei den Bäumen:
Wären immer die gleichen Baumbilder auf den Papieren entstanden, hätten wir "Uniformen": Alles im gleichen Look. Die Natur nennt das Monokultur. Wohin aber Monokultur führen kann sehen wir, wenn wir uns unsere Wälder anschauen. Verändert sich die Umwelt, sind Monokulturen kaum widerstandsfähig. Mischwald hingegen ist artenfreundlich und robust. Vielfalt ist seine Devise. Die Natur lebt uns Unterschiedlichkeit vor, heute oft als Diversität zusammengefasst. Das Kultivieren von solcher Artenvielfalt stellt andere Anforderungen an den Umgang miteinander: Einige Pflänzchen brauchen Sonne, andere Schatten, einige viel Wasser, andere wenig. Alle können wachsen, wenn die Rahmenbedingungen passen. Teams können sich die Metapher des Baumes zunutze machen, um über individuelle Standpunkte, Pflegeanleitungen und Rahmenbedingungen ins Gespräch zu kommen. Richtig kultiviert, kann dann aus einem zarten Pflänzchen ein Wald werden.