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14. April 2020

Und welche Rolle spiele ich?

Das Gefühl unwichtig zu sein fördert die Einsamkeit. 

"Herr Doktor, ich habe ständig das Gefühl übersehen zu werden. Keiner nimmt mich wahr." Doktor: "Der Nächste bitte!"

Kaum zu glauben, dass es heute noch Leute gibt, die mit dem Gefühl leben unbedeutend zu sein. In einer Zeit der Selbstdarstellung und Selbstüberschätzung fallen solche Selbstzweifel besonders ins Gewicht. Alle sind wichtig, jeder führt ein "strahlendes" Leben - warum interessiert sich dann kein Schwein für mich?

Für andere bedeutend zu sein ist eines der menschlichen Gründbedürfnisse. Wir wollen gesehen, gehört, im Idealfall auch verstanden werden. Bedeutung speist unsere narzisstische Grundausstattung. Jeder hat sie. Das Gefühl, für andere wichtig zu sein, einen Beitrag leisten zu können, wird als zutiefst befriedigend erlebt. Es verschafft uns Lust. Das neurologische Aktivierungszentrum liegt im limbischen System. Hier wird geprüft, ob uns etwas Lust oder Unlust, Freude oder Leid beschert. Unmittelbar damit verbunden ist das Belohnungszentrum: Erlebe ich mich als bedeutungsvoll wird körpereigenes Dopamin ausgeschüttet. Ich fühle mich gut. Einfach ausgedrückt: Die Autosuggestion "Ich bin wichtig! "ist Selbst-Doping. Bis zu einem gewissen Maß ist sie hervorragend für unseren Selbstwert und unser psychisches Immunsystem geeignet.

Die Dosis macht die Wirkung. Zu viel davon kann in Selbstüberschätzungkippen. Die Welt strotzt vor tollen Hechten und Überfliegern. Vielleicht kennen Sie selbst welche davon. Zu wenig kann uns in die Selbstzweifel treiben. Besonders in Zeiten "sozialer Armut" wie in der Corona-Krise können solche Selbstzweifel zu ersthaften psychischen Problemen führen. Gelegentlich die eigene Wichtigkeit infrage zu stellen kann sehr hilfreich sein. In den meisten Fällen passiert relativ wenig, wenn wir uns selbst weniger wichtig nehmen. Leistungsdruck können wir dadurch abbauen und auch anderen die Chance geben, Verantwortung zu übernehmen.

Wer aber dazu tendiert andere grundsätzlich wichtiger zu nehmen als sich selbst hat für die eigene Bedeutungslosigkeit oft viel getan. Irgendwann lernt das Umfeld, dass fragen nutzlos ist, wenn die Antwort standardmäßig lautet "Ich mache mit was DU willst" oder "Ist mir egal" oder "Ich weiß auch nicht". Das Gefühl der Bedeutungslosigkeit folgt dem gleichen Mechanismus wie die Bedeutung. Mit dem Unterschied, dass die daraus resultierenden biochemischen Reaktionen in unserem Schmerzzentrum stattfinden. Menschen mit wenigen sozialen Kontakten und einem ausgeprägten Gefühl der Bedeutungslosigkeit erleben das häufig als psychischen wie physischen Schmerz.

Was können Sie dagegen tun?
Manchmal kann es sehr vorteilhaft sein, auch mal Antworten zu geben, wenn wir (vermeintlich) gar nicht gefragt sind. Das kostet vielleicht anfangs ein bisschen Überwindung, steigert aber unser Selbstbewusstsein. Sich selbst als die wichtigste Person im Leben anzuerkennen und dabei nicht die Bodenhaftung zu verlieren ist eine Daueraufgabe. Die Arbeit daran lohnt sich.

In dem Büro eines Kollegen sah ich folgenden Spruch:
"Jeder hat ein Recht auf meine Meinung!"